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Die Klima-Kuh

Galloways im Stiftungsland Schäferhaus, einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Flensburg.

Besuch im Psychotop

Man kann hinein laufen in sein eigenes landschaftliches Zuhause. Vielleicht ist es am Anfang nicht sofort spürbar, dass man gerade nach Hause kommt, aber irgendwann stellt sich das Gefühl ein. Die Landschaft ist dann wie ein bekanntes und lieb gewonnenes Haus, das man mit gutem Gefühl betritt. Bei mir stellte sich dieses Gefühl ein, als ich zum ersten Mal eine der realtiv neuen, halboffenen Weidelandschaften betrat. Und ich bin mit meinen Empfindungen in dieser Landschaft offenbar nicht allein, denn die Weideprojekte, die in den letzten Jahren und inzwischen auch Jahrzehnten in Deutschland entstanden sind, ziehen viele Spaziergänger und Wanderer an. Die neuen »Wilden Weiden« sind zum Teil große Areale von mehreren hundert oder auch tausend Hektar, die zur Gestaltung großen Weidetieren überlassen wurden - Robustrindern und Ponys. Die machen daraus sogenannte halboffene Weidelandschaften, urtümlich wirkende Landschaften, eigentlich so etwas wie nordische Savannen. In dieser Landschaft fühlen sich nicht nur die Tiere wohl, sondern auch viele Menschen. Das kann daran liegen, dass wir Menschen vor vielen Jahrtausenden in solchen Landschaften groß geworden sind. Oder sagen wir: die Menschheit ist groß geworden in solcher Landschaft. Deshalb liegt uns die Savanne, sie könnte für viele von uns das »Psychotop« sein. Das sei, sagt der Duden, ein Landschaftstyp, der Tieren beziehungsweise Menschen durch Gewöhnung vertraut ist.
»Das Mähen ist einer der größten Fehler, die der Naturschutz macht«, sagt einer der Naturschützer, die ich für das Buch interviewt habe. Es sollen ganz bestimmte Arten geschützt werden, und für die muss dann zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt unbedingt gemäht werden. »Damit erhalten wir vielleicht die eine Art, vernichten aber gleichzeitig ganze Lebensgemeinschaften, die wir nicht einmal kennen, weil die vorher niemand untersucht und bestimmt hat.« Die Weide ist das Biotop, das uns die Artenvielfalt zurückholt. Aber der Naturschutz mäht. Und vor allem die Landwirtschaft mäht, und düngt, und mäht - viermal im Jahr, oder fünfmal im Jahr. Das halten nur ganz wenige Gräser aus. Deshalb gibt es auf einer Mähwiese keine Artenvielfalt. Jedes Mähen vernichtet zudem bis zu neunzig Proznet der Insekten, die auf einer Mähwiese überhaupt noch überleben konnten, oder die gerade zu Besuch sind. Auf einer Weide dagegen blüht die Vielfalt. Jeder Kuhfladen zieht tausende von Insekten an. Dungfliegen und Dungkäfer besiedeln ihn, Pillendreher rollen Kugeln aus Dung durch die Landschaft, um eine gute Stelle zu finden, wo sie ihre Kinderstube vergraben können. Andere Käfer graben Gänge und schaffen den Dung nach unten, wo erst ihre Larven schlüpfen und der Rest der Kinderstube danach vom Bodenleben zu Humus umgebaut wird. Damit ist nicht nur die Artenvielfalt zurück, sondern auch die Klimakrise aufgehalten. Denn Humus ist zu sechzig Prozent Kohlenstoff, der jetzt im Boden gespeichert ist. Selbst intensiv bewirtschaftete Weiden helfen gegen die Biodiversitätskrise und das Insektensterben. Extensive Weidelandschaften sind regelrechte Hotspots der Biodiversität.
Von der Umweltsünderin zur Weltenretterin

Wiese versus Weide

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Von der Umweltsünderin zur Weltenretterin
»Das Mähen ist einer der größten Fehler, die der Naturschutz macht«, sagt einer der Naturschützer, die ich für das Buch interviewt habe. Es sollen ganz bestimmte Arten geschützt werden, und für die muss dann zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt unbedingt gemäht werden. »Damit erhalten wir vielleicht die eine Art, vernichten aber gleichzeitig ganze Lebensgemeinschaften, die wir nicht einmal kennen, weil die vorher niemand untersucht und bestimmt hat.« Die Weide ist das Biotop, das uns die Artenvielfalt zurückholt. Aber der Naturschutz mäht. Und vor allem die Landwirtschaft mäht, und düngt, und mäht - viermal im Jahr, oder fünfmal im Jahr. Das halten nur ganz wenige Gräser aus. Deshalb gibt es auf einer Mähwiese keine Artenvielfalt. Jedes Mähen vernichtet zudem bis zu neunzig Proznet der Insekten, die auf einer Mähwiese überhaupt noch überleben konnten, oder die gerade zu Besuch sind. Auf einer Weide dagegen blüht die Vielfalt. Jeder Kuhfladen zieht tausende von Insekten an. Dungfliegen und Dungkäfer besiedeln ihn, Pillendreher rollen Kugeln aus Dung durch die Landschaft, um eine gute Stelle zu finden, wo sie ihre Kinderstube vergraben können. Andere Käfer graben Gänge und schaffen den Dung nach unten, wo erst ihre Larven schlüpfen und der Rest der Kinderstube danach vom Bodenleben zu Humus umgebaut wird. Damit ist nicht nur die Artenvielfalt zurück, sondern auch die Klimakrise aufgehalten. Denn Humus ist zu sechzig Prozent Kohlenstoff, der jetzt im Boden gespeichert ist. Selbst intensiv bewirtschaftete Weiden helfen gegen die Biodiversitätskrise und das Insektensterben. Extensive Weidelandschaften sind regelrechte Hotspots der Biodiversität.

Wiese versus Weide

Besuch im Psychotop

Man kann hinein laufen in sein eigenes landschaftliches Zuhause. Vielleicht ist es am Anfang nicht sofort spürbar, dass man gerade nach Hause kommt, aber irgendwann stellt sich das Gefühl ein. Die Landschaft ist dann wie ein bekanntes und lieb gewonnenes Haus, das man mit gutem Gefühl betritt. Bei mir stellte sich dieses Gefühl ein, als ich zum ersten Mal eine der realtiv neuen, halboffenen Weidelandschaften betrat. Und ich bin mit meinen Empfindungen in dieser Landschaft offenbar nicht allein, denn die Weideprojekte, die in den letzten Jahren und inzwischen auch Jahrzehnten in Deutschland entstanden sind, ziehen viele Spaziergänger und Wanderer an. Die neuen »Wilden Weiden« sind zum Teil große Areale von mehreren hundert oder auch tausend Hektar, die zur Gestaltung großen Weidetieren überlassen wurden - Robustrindern und Ponys. Die machen daraus sogenannte halboffene Weidelandschaften, urtümlich wirkende Landschaften, eigentlich so etwas wie nordische Savannen. In dieser Landschaft fühlen sich nicht nur die Tiere wohl, sondern auch viele Menschen. Das kann daran liegen, dass wir Menschen vor vielen Jahrtausenden in solchen Landschaften groß geworden sind. Oder sagen wir: die Menschheit ist groß geworden in solcher Landschaft. Deshalb liegt uns die Savanne, sie könnte für viele von uns das »Psychotop« sein. Das sei, sagt der Duden, ein Landschaftstyp, der Tieren beziehungsweise Menschen durch Gewöhnung vertraut ist.
Galloways im Stiftungsland Schäferhaus, einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Flensburg.